Seminarthemen waren unter anderem Ofendesign, Feuerungsraumberechnung und – bau, Stampflehm als Ofenbaumaterial und der Backofenbau. Die Vortragenden vermittelten durchweg inspirierende, mit Beispielen gespickte Einblicke in die eigene Handwerkspraxis. Durch die Gespräche Freitagabend zog sich ein Grundtenor: Das intensive gemeinsame Lernen, das Fachsimpeln in den Pausen und der einzigartige Veranstaltungsort mit über 150 Jahren Kachelofengeschichte inspirierte und befeuerte das eigene Arbeiten mit Ideen und neuen Fragen, ob nun handwerkliche Kniffe oder technische,rechtliche Überlegungen.
Initiator des Ofencampus war der Verein 850 Grad Handwerklicher Grundofen e.V. Der Verein ist ein Partner des Ofen- und Keramikmuseums, mit dem es 2023 gelang, die Deutsche UNESCO Kommission zu überzeugen, ihr gemeinsames Netzwerk rund um den traditionellen Kachelofenbau als immaterielles Kulturerbe anzuerkennen. Dass mit diesem Ofen-Campus das handwerkliche und traditionelle Knowhow des Kachelofenbaus aktiv und nachhaltig gepflegt wird, unterstrich auch Katrin Seitz, Referentin im Kulturministerium Brandenburgs, die den Ofen-Campus am Donnerstag besuchte. Veltens Bürgermeisterin Ines Hübner sieht in dem Ofen-Campus am herausragenden, geschichtsträchtigen Ort, dem Denkmal Ofenfabrik mit Ofen- und Keramikmuseum, ein Beispiel für die gelebte Verbindung von Historie und Zukunftsorientierung.
Denn in vielerlei Hinsicht ging es um die Verbindung der handwerklichen Traditionen mit den Ansprüchen an modernes und zukunftssicheres Heizen. Im Sinne des Netzwerks Kachelofenbau, das 2023 als immaterielles Kulturerbe anerkannt wurde und im Veltener Museum den zentralen Knotenpunkt hat, wurde das Knowhow des Ofenhandwerks weitergegeben und neue Ideen entwickelt, wie dieses Wissen bewahrt und von kommenden Generationen genutzt werden kann. Thomas Zander, Vorsitzender des Vereins 850° und Initiator des Ofen-Campus, resümiert, dass diese Art des Zusammentreffens in jedem Fall im Veltener Museum wiederholt werden sollte. Als Termin ist dafür bereits der 25.06. – 27.06.2025 festgelegt. Anmeldungen aus der Schweiz
Finnland und Kanada belegen das große Interesse und die Notwendigkeit, sich mit dem handwerklichen Ofenbau auseinanderzusetzen. Die großen Themen unserer Zeit spiegeln sich im Ofenbau und Fragen des nachhaltigen Bauens und Produzierens werden berührt. „Wenn man weiß, dass das Bauwesen der weltweit größte Verbraucher an Ressourcen und gleichzeitig weltgrößter Emittent an klimaschädlichen Emissionen ist, so kann der kleine Bereich handwerklicher Ofenbau einen möglichen zukunftsfähigen Umgang mit Rohstoffen und Energie aufzeigen“, betont Zander. Die Grundstoffe Ton, Lehm und Holz bieten den Ausgangspunkt, über CO2 Bilanzierung, Emissionen und klimaschädliche Einflüsse zu diskutieren. Sieben Dozenten an 3 Tagen werden dazu Vorträge und Workshops anbieten, die den Blick über den Tellerrand wagen und Lust auf nachhaltige Weiterentwicklung machen. Eingeladen sind alle Interessierten und vor allen Dingen junge OfenbauerInnen, sich anzumelden.

Foto: Erik-Jan Ouwerkerk

Foto: Erik-Jan Ouwerkerk
Info
DIE VERANSTALTER
Ofen- und Keramikmuseen Velten
Das Veltener Museum, Deutschlands ältestes und in dieser Art einmaliges Ofenmuseum, mit den historischen, denkmalgeschützten Räumen der ehemaligen Ofenfabrik A. Schmidt, Lehmann & Co. bietet den perfekten Rahmen für die drei Tage aktiven Lernens und miteinander Wirkens. Denn an der Historie des Kachelofens wird nicht nur die vergangene Bedeutung der Holzfeuerstätte in Mitteleuropa deutlich, sondern auch das enorme Potenzial dieser europäischen Heiztradition. Velten galt von Anfang des 19. Jahrhundert bis in das 20. Jahrhundert hinein als vorrangigster Kachelofenproduktions-
standort Europas mit knapp 40 Ofenfabriken, die zu Spitzenzeiten um 1900 pro Jahr 100.000 Öfen vor allem für Berlin herstellten und so das Leben in der Metropole entscheidend mitprägten. Ein Kernthema des Museums ist die Kultur mit Feuer, der generationenübergreifende Wandel der Heiztradition in ihren vielen technologischen, kulturellen und kunsthistorischen Facetten. Die beeindruckende Ausstellung mit Öfen aus drei Jahrhunderten, vom barocken Fayence-Aufsatzofen bis zur schmelzweißen Berliner Kochmaschine, ist eine zentrale Säule des Museums, das seit 1993/1994 an diesem Standort von einem gemeinnützigen Förderverein geführt wird.www.okmhb.de/ofencampus/ | info@okmhb.de
850° Handwerklicher Grundofen e. V. – Verein für Luftreinhaltung und Ressourcenschonung
Gegründet im Jahr 2014, setzt sich der Verein aus Ofenbauern und -keramikern ein für den Grund-/Speicherofen als eine zukunftsweisende, handwerklich fundierte, über Jahrhunderte bewährte und ressourcenschonende Heiztechnologie. Diese ermöglicht standardisierte, anerkannte und korrekt berechnete Feuerräume, welche den aktuellen und zukünftigen Notwendigkeiten von Emissionsschutz und Klimaschutz gerecht werden. Die Mitglieder des Vereins bringen ihren praktischen Erfahrungsschatz und ihr Fachwissen ein in Fachgespräche und die öffentliche Debatte zu Klima- und Emissionsschutzregelungen.
https://www.850grad.org/ | 850grad@gmx.de
IMMATERIELLES KULTURERBE
Das Netzwerk Kachelofenbau
Der Verein 850 Grad und die Ofen- und Keramikmuseen Velten sind Partner im Netzwerk Kachelofenbau, zu dem Fachleute unterschiedlichster Disziplinen sowie Ofenenthusiasten gehören und welches seinen zentralen Knotenpunkt am Museumsstandort Velten hat. Jeder trägt mit seinen Stärken bei zum Erhalt der handwerklichen Tradition Kachelofenbau. Die Tätigkeit des Netzwerks, um die jahrhundertealte Tradition des Kachelofenbaus von der manufakturellen Fertigung der Kachel bis zum Setzen des holzbefeuerten Ofens sowie das dazu notwendige Knowhow und Erfahrungswissen zu dokumentieren, zu erforschen, zu fördern, zu erhalten, wurde im Frühjahr 2023 von der Deutschen UNESCO Kommission als gutes Praxisbeispiel anerkannt und in das Register des immateriellen Kulturerbes eingetragen. Der Eintrag als immaterielles Kulturerbe vor gut einem Jahr unterstreicht die essentielle Bedeutung von Wärmeerzeugung, -speicherung und –nutzung für Mitteleuropa. Dieses Erbe zu vermitteln und auch zukünftig im praktischen Einsatz zu erhalten, ist ein Kernanliegen des Netzwerks. Denn dieses Kulturerbe besitzt ein überaus zeitgemäßes Gewand und macht Lust auf mehr an nachhaltigen und ökologischen Produkten und Wissen aus dem Handwerk.