Das große Interesse an den Themen des Symposiums wurde durch die rege Teilnahme bestätigt: 35 Baufachjournalisten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz waren der Einladung des Fachpressebüros Waldecker gefolgt. Kompetent und praxisbezogen gingen die sieben Vorträge auf Themen wie Luftreinhaltung, Emissionsminderung und Effizienzsteigerung ein. Dabei kam auch das Thema Heizen mit Holz nicht zu kurz, das gleich aus mehreren Perspektiven beleuchtet wurde.
Den Start machten die Gastgeber von Pluggit. Uwe Schumann, Leitung Verbandsarbeit & Wissensmanagement, erläuterte die Vorteile der kontrollierten Wohnraumlüftung (KWL) mit Wärmerückgewinnung, von der sowohl Umwelt als auch Gesundheit profitieren. Auch die Schadstoffminimierung in der Atemluft kommt hier zum Tragen. Dass neben dem Verkehrssektor auch der Gebäudesektor die vereinbarten Grenzwerte an CO2-Äquivalenten in den letzten Jahren noch nicht einhielt, zeigt, welcher Handlungsdruck hier besteht. Und auch wenn wir uns hier gerne wegen unserer Bemühungen zum Klimaschutz loben, liegt Deutschland in der Pro-Kopf-Bilanz der CO2-Emissionen aktuell ziemlich genau gleichauf mit dem oft gescholtenen China. Hier bietet sich für den Wohnraumlüftungsspezialisten Pluggit ein erhebliches Potential, die klimaschonende Wärmewende aktiv mitzugestalten. Durch den Einsatz besonders hochwertiger kontrollierter Wohnraumlüftungen mit Wärmerückgewinnung ließen sich im Neubau rund 70 Prozent Energie und Treibhausgasemissionen gegenüber der Fensterlüftung einsparen, bei der Sanierung im Bestand liegt allein das Einsparpotential dieser Einzelmaßnahme bei rund 20 Prozent. Das hat zugleich eine sinkende Heizlast zur Folge und macht den Betrieb von Wärmepumpen (COP) effizienter. Uwe Schumanns Fazit: 1. KWL schützt die Gebäude, sichert die Luftqualität, Wohngesundheit und senkt den Energiebedarf. 2. KWL ist eine der Schlüsseltechnologien für den klimaneutralen Gebäudebestand.
Das Thema Feinstaubreduktion wurde weitergespielt von Michael Erlhof, Leiter der Raab-Akademie. Seit mittlerweile 14 Jahren steht mit dem Airjekt 1 von Kutzer+Weber ein sehr leistungsfähiger elektrostatischer Partikelabscheider zu Verfügung, der Abscheidegrade von zum Teil über 90 Prozent aufweist und bisher rund 14.000 Mal eingebaut wurde. Doch was bringen solche Geräte eigentlich in der Praxis? Dieser Frage ist man mit einem Testprojekt im Feldversuch nachgegangen, bei dem elektrostatische Partikelabscheider an Kleinfeuerungsanlagen unterschiedlicher Hersteller und Bauart ausgewertet werden. Untersucht wurde die Langzeittauglichkeit von 30 Elektroabscheidern bei Einzelraumfeuerungen unter realen Bedingungen (eingebaut bei Privateigentümern) – je zehn Abscheider von K+W, Oekosolve und Exodraft. Wissenschaftlich begleitet wird die noch laufende Feldstudie von der Hochschule Rottenburg am Neckar (KW), dem TFZ (Oekosolve) und dem DBFZ (Exodraft). Erlhofs Zwischenfazit lautete: „Insgesamt erweist sich unser Staubabscheider Airjekt 1 auch im Langzeiteinsatz als sehr robust mit dauerhaft hohen Abscheideraten bei geringem Wartungsaufwand und Energieeinsatz. Im Betrieb erweist sich die Einbauvariante im Gebäude in der Ausführung Ceramic als günstiger als die Mündungsvariante“.
Als nächster Referent ging Dr. Michael Poeplau, Geschäftsführer der Wöhler Technik GmbH, darauf ein, wie die aktuellen und künftigen Anforderungen zur Staubmesstechnik an Feststofffeuerungen bewältigt werden können. Hier erläuterte das Verfahren der direktgravimetrischen Messung, das beim Wöhler Staubmessgerät SM 550 zum Einsatz kommt und dauerhaft sehr genaue Werte liefert. So ist bei diesem Gerät Brennstoffunabhängig ein Sofortmessergebnis online verfügbar. Eine mehrstufige Tiefenfilterpatrone für hohen Dynamikbereich der Staubkonzentration verhindert eine Überlastung der Abscheidefläche, und die geringe Querempfindlichkeit auf Partikeleigenschaften und -zustände (z.B. bei elektrisch geladenen Partikeln aus E-Filter) sichert ein zuverlässiges Ergebnis.
Dann richtete sich der Fokus auf hybride Heiztechnik. Seit der GEG-Novellierung gibt es – entgegen der Zielsetzung der Gesetzgeber – einen Rückgang beim Einbau von Wärmepumpen und einen Anstieg bei Verbrennungstechnik mit Öl und Gas. Hybridsysteme können hier den Bogen zum Einsatz erneuerbarer Energien schlagen, bestätigte Raimund Fischer, Leiter des Geschäftsbereichs Wärmepumpe der HDG Bavaria GmbH. In seinem Unternehmen liegt die Nachfrage nach Hybridanlagen derzeit bei zirka 50 Prozent. Als eher kleiner, inhabergeführter Hersteller der Branche konzentriert sich HDG auf besonders hochwertige Wärmepumpenlösungen, was sich nicht zuletzt in den Details der Geräte zeigt (weitgehender Verzicht von Kunststoff und eine edle Gestaltung der Außeneinheit, Sonderlösungen wie ein Designsockel oder eine Pflanzschale).
Im folgenden Beitrag gab Markus Schlichter, stellvertretender Vorstand des ZIV, einen Einblick in die Zunft der Schornsteinfeger, die immer mehr von erneuerbaren Energien in der Wärmeversorgung lebt. So werden unter anderem Hybridsysteme aus Wärmepumpe und Feuerstätten mit regenerativen Brennstoffen immer attraktiver werden. Im Jahr 2023 gab es noch über 19 Millionen Heizungsanlagen mit fossilen Brennstoffen. Fast 14,4 Millionen nutzten Erdgas, rund 5 Millionen Öl. Damit verringerte sich die Anzahl der fossil betriebenen Heizungen trotz der bereits fest in Aussicht stehenden GEG-Novelle im letzten Jahr insgesamt nur leicht um ca. 1 Prozent. Es ist allerdings allein nach Freigabe bislang gedeckelten CO2-Bepreisung im Jahr 2026 mit einem deutlichen Preisanstieg für diese Energieträger zu rechnen. Schon jetzt verzeichnet der Markt der Feuerstätten für regenerative feste Brennstoffe (Kesselgeräte sowie Pellet-, Kamin-, Kachelöfen oder Heizeinsätze) eine gesteigerte Nachfrage. Auch sie können fossile Wärme teilweise ersetzen.
Anschließend informierte Bernd Morschhäuser, Geschäftsführer der Vitramo GmbH, anhand mehrerer realisierter Praxisbeispiele über die vielfältigen Vorteile und Anwendungsmöglichkeiten von Infrarotheizsystemen im Neubau, wo diese Technik immer häufiger auch GEG-konform als dauerhaft wartungsfreie Alleinheizung eingesetzt wird. Den Nachteil einer prinzipbedingt geringeren Energieeffizienz gegenüber einer Wärmepumpe könne man auch langfristig gut ausgleichen, indem man einen Teil der eingesparten Anlagenkosten (ein Infrarotheizsystem ist in der Anschaffung, aber auch in der Installation wesentlich günstiger als ein wasserführendes Wärmepumpen-Heizsystem) beispielsweise in eine üppigere Photovoltaikanlage und einen Batteriespeicher investiert, um möglichst viel mit Eigenstrom zu heizen. Morschhäuser sagte zu, bei der nächsten Veranstaltung den Fokus auf die Bestandssanierungen zu setzen, denn auch da ergäben sich, beispielsweise im Verbund mit Hybridheizungssystemen, interessante Anwendungsmöglichkeiten.
Im letzten Vortrag des Symposiums zog Stefan Libor, Key Account Manager bei der ATEC GmbH & Co. KG, sein positives Fazit nach 200 verbauten Wärmepumpen-Schallhauben. Sie ermöglichen eine erhebliche Senkung der akustischen Belastung durch Wärmepumpen, die nicht selten in Nachbarschaftsbeschwerden münden. Hier sei insbesondere durch die steigende Verbreitung von Wärmepumpen weiterhin mit hoher Nachfrage zu rechnen. Er schloss mit einem Ausblick auf die neuen Themenfelder, die ATEC ins Visier nimmt. Darunter Hochleistungsspeicher, mobile Wärmepumpen sowie das neu gegründete Unternehmen Hosenso, das einen Meilenstein in der Unternehmensgeschichte bildet.
Die Vorträge haben gezeigt: Die Technik für eine vernünftige Wärmewende steht parat. Diese muss jetzt aber gekonnt mit dem (Fach-)Publikum kommuniziert werden!